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Die Spätblühende Traubenkirsche

Pflanze der Region im Juni 2018

 

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ ist ein Spruch, über den die Traubenkirsche nur lachen kann.
Zumindest die Spätblühende Traubenkirsche, denn diese Art ist auf der Überholspur des Lebens
und führt einen äußerst erfolgreichen Feldzug in Deutschland.

Auch bei uns im Norden ist die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) auf dem Vormarsch.
Bereits im 17. Jahrhundert wurde das Gehölz aus Nordamerika nach Europa eingeführt.
Die dunkelgrün glänzenden Blätter und die üppigen weißen Blütenstände verhießen eine hübsche Bereicherung
der Bepflanzung in Parks und Gärten. Zudem hoffte man auf gute Erträge in der Forstwirtschaft.
Auch als Insektenweide und Futterpflanze für Vögel ist Prunus serotina gut geeignet.

Die Spätblühende Traubenkirsche ist ein Strauch bis kleiner Baum, der meist maximal 20 m Höhe erreicht. Sie gehört zur Familie der Rosengewächse.
Ihre weißen Blüten, die von Mai bis Juni blühen, werden später zu dunklen kleinen Kirschen.
Bevorzugt werden magere Böden und lichter Schatten. Bis vor wenigen Jahrzehnten wurde Prunus serotina auch in Schleswig-Holstein noch gepflanzt.
Erst dann bemerkte man das „einnehmende Wesen“ der Neubürgerin. Heute gehört sie zu den Top10 der invasiven Arten in unserem Land.
In Teilen Nordfrieslands bestehen die Knicks nur noch aus hohen Eichen und der Spätblühenden Traubenkirsche.
Auch hier in unserer Region ist die Art inzwischen zum Problem geworden. Sie erobert freie Flächen in den Naturschutzgebieten wie z.B.
im Buttermoor, im Tävsmoor oder den Holmer Sandbergen. Flächen, auf denen die Heide und Binnendünen erhalten werden sollen.
Hier vernichtet das Aufkommen von Gehölzbeständen die Lebensräume spezialisierter Pflanzen und Tiere.
Auch in Knicks, in Feldgehölzen und an Waldrändern ist die Art zu finden. Ihre enorme Wuchsleistung verdrängt andere, einheimische Arten. 

Seit vielen Jahren wird versucht, Prunus serotina in ihre Schranken zu weisen. Dazu sind viele Strategien entwickelt worden,
wie das Herausziehen oder Abknicken junger Pflanzen, Fällungen älterer Bäume, großflächige mechanische Bekämpfung
mit Forstmulchern, Beweiden mit Schafen und vor allem Ziegen sowie das Ringeln der Rinde.
Ringeln bedeutet, dass ein breiter Streifen in die Rinde des Baumes geschnitten wird, der die Leitungsbahnen des Baumes unterbricht
und das Gehölz zum Absterben bringt. Die Forstwirtschaft setzt auf das Ausdunkeln durch Bepflanzung mit beschattenden Bäumen wie der Buche.
Prunus serotina hat für alle diese Maßnahmen Gegenstrategien entwickelt. Legt man die herausgezogene Pflanze achtlos auf den Boden,
wächst sie einfach wieder an, fällt man Bäume, reagiert sie mit einer Armada von Wurzelaustrieben,
die das Problem massiv verschlimmern, gegen die Beweidung hilft die Giftigkeit der Pflanze und ist der geringelte Streifen zu schmal,
kann Prunus serotina ihn problemlos überwallen und wächst munter weiter.


Es wird berichtet, dass auch mit der Beschattung keine durchschlagenden Erfolge erzielt wurden. Kommt es zur Fruchtbildung,
verteilen Vögel die Samen, sodass sich die Spätblühende Traubenkirsche weit verbreiten kann.
Die Ranger des Elbmarschenhauses und die Gemeinde Holm, die die Holmer Sandberge pflegt, können da einiges erzählen! 

Offen gesagt ist der Kampf für uns längst verloren. Daher konzentrieren wir uns auf die wertvollsten Naturschutzflächen und drängen
dort Prunus serotina zurück, soweit es ohne Herbizide möglich ist. 

Erwähnen möchte ich noch, dass es auch eine einheimische Traubenkirsche (Prunus padus) gibt.

Diese sieht sehr ähnlich aus, blüht aber schon ab April und hat keine glänzenden, sondern matte Blätter.
Sie bietet ebenfalls Vögeln kleine, erbsengroße, schwarzglänzende Kirschen an und verhält sich nicht invasiv.
Die gewöhnliche Traubenkirsche, wie ihr deutscher Name lautet, bevorzugt feuchtere Böden und ist gern gesehen in Au-und Bruchwäldern.
Das hübsche Gewächs macht sich auch gut in Gärten und strebt nicht die Weltherrschaft an.
Das sind doch gute Gründe, sie im eigenen Garten anzupflanzen!

 

Leitung des Hauses

Edelgard Heim

Telefon 04129. 955 49 12

edelgard.heim1@llur.landsh.de

 


Schutzgebietsbetreuung

Naturschutzgebiet

"Haseldorfer Binnenelbe

mit Elbvorland"

Uwe Helbing

Tel. 04129-95549-11

uwe.helbing@nabu-sh.de

 


 

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