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Der Singschwan

 Vogel der Region im Januar 2018: Der Singschwan -  melodiöser Wintergast

 

Der Singschwan mit seinem schneeweißen Gefieder gehört zur Familie der Entenvögel und zur Gattung der Schwäne.
Bei uns in Deutschland ist der Höckerschwan der bekannteste Schwan.

Die tiefen, posaunenartigen und mitunter nasal und weich klingenden melancholischen Rufe im Flug
und bei der Landung kann man über hunderte Meter weit hören.
Singschwäne gelten insgesamt als sehr ruffreudig und zeigen ein umfangreiches Stimmrepertoire, wodurch sie zu ihrem Namen kamen.
Der Flug des Singschwans ist geräuschlos, während der Höckerschwan durch seinen Flügelschlag pfeifende Töne erzeugt.

Bei uns ist er bis auf einige wenige Brutpaare in erster Linie ein Wintergast,
der sich ab Ende Oktober an größeren Gewässern sowie auf Äckern, vor allem Rapsfelder und Wiesen aufhält.
Hier überwintert er oder tankt Energie für den Weiterzug zum Atlantik. Er bietet jedem einen schönen Anblick,
der ihn in der winterlichen Landschaft erblickt oder seine Rufe hört…

Die Balz der Singschwäne beginnt schon im Winterquartier und wird im Brutgebiet fortgesetzt.
Die Balz vom Singschwan ist mit der Balz vom Kranich zu vergleichen. Sie tanzen und singen zusammen.
Wenn Singschwäne kurz ihren Partner verlassen, hört man sie vorher rufen und singen.
Kommt der Partner wieder zurück, wird gemeinsam getanzt und gerufen.

Mit einer Größe von ca. 160 cm und einer Flügelspannweite von 235 cm ist der Singschwan genauso groß wie der Höckerschwan.
Männchen und Weibchen sehen gleich aus. Man unterscheidet Männchen und Weibchen an der Größe und am Gewicht.
Das Männchen ist größer und schwerer. Außerdem zeigt sich der Singschwan mit einem deutlich aufrechten Hals,
wohingegen der des Höckerschwans s-förmig ist. Junge, bereits flugfähige Singschwäne sind schiefergrau, während junge Höckerschwäne eher bräunlich gefärbt sind.

Der auffälligste Unterschied zum Höckerschwan jedoch ist der schwarz-gelbe Schnabel, der ohne Höcker und ohne Verbindung zum Auge eine gerade Linie mit dem Kopf bildet. Leichter zu verwechseln ist er eher mit dem kleineren Zwergschwan, der die gleiche Schnabelfärbung aufweist, allerdings mit einem geringeren Gelbanteil.

Der Singschwan baut sein Nest, wie der Höckerschwan, an Ufern oder Inseln von flachen vegetationsreichen Süßwasserseen,
die von Wäldern umschlossen sind und nutzt dabei gern Röhrichte. Das Nest wird mit Daunen ausgepolstert.
Sie haben eine Jahresbrut in der Zeit von April bis Juni. Singschwäne legen ca. 4-7 gelblichweiße Eier.
Die Brutdauer beträgt ca. 36 Tage. Während der Brutzeit passt das Männchen in der Nähe vom Nest auf, dass Feinde das Brutgeschäft
nicht stören oder das Gelege plündern. Zu den Feinden gehört z.B. das Wetter, die Vogelgrippe, die Parasiten, der Fuchs,
das Vielfraß, der Seeadler und der Mensch. Singschwäne gehören zu den Nestflüchtern.
Wenn alle Küken geschlüpft sind und das Gefieder der jungen Küken getrocknet ist, verlässt die Familie gemeinsam das Nest
um im See auf Nahrungssuche zu gehen. Die jungen Küken werden von beiden Eltern geführt.
Bis zum nächsten Frühjahr, wenn die Balz beginnt und sie wieder in ihr Brutgebiet aufbrechen, kümmern sich die Eltern um ihre Jungen.

Das Verbreitungsgebiet der Singschwäne erstreckt sich in Nordeuropa von Island, Skandinavien und Russland weiter bis an Chinas und Japans Küsten.
Deswegen sind Singschwäne auch auf der finnischen 1-Euro-Münze abgebildet.
Ihre Brutgebiete liegen in der Tundra, in Hochmooren, an Seen und an Flüssen.
Der Bestand wird weltweit auf 180.000 Tiere geschätzt, wovon circa ein Drittel bis die Hälfte in Europa überwintert.

Seen, Flussmündungen, überstaute Polder und geschützte Meeresbuchten gehören zu den Lebensräumen, die der Singschwan auf dem Zug
über den nördlichen Teil Mitteleuropas traditionell als Winterquartier anfliegt, wobei jedoch die Nutzung naheliegender Felder
und Feuchtweiden stetig zunimmt. Vor allem das Grün und die Sämereien von Raps und Kartoffeln stellen eine wichtige Nahrungsquelle dar.
Oft sitzen sie daher, häufig vergesellschaftet mit Höckerschwänen, auf frisch bestellten Äckern.
Auf dem Wasser sieht man sie häufig mit dem Kopf unter Wasser.
Sie weiden verschiedenste Wasserpflanzen ab, mit welchen auch ein geringer Teil an Kleintieren mit aufgenommen wird.

Die Hauptüberwinterungsgebiete liegen neben Dänemark und Irland vor allem in Deutschland (bis zu 20.000 Vögel),
wodurch diesen Ländern eine besondere Bedeutung zum Schutz der Art zukommt.
Insgesamt gehört der Singschwan jedoch nicht zu den gefährdeten Arten und erfährt trotz geringfügiger Schwankungen
in den Überwinterungsgebieten weltweite Bestandszuwächse.
Trotzdem stellen Windkraftanlagen in Nord- und Ostsee sowie die Praktiken der Ölförderung in Russland bewiesene Gefährdungsursachen dar und gehören auf den Prüfstand.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Gerd Peter

Hier wird jeden Monat ein typischer Vogel der Region vorgestellt.
Dabei handelt es sich um eine Vogelart, die für die Gegend typisch ist und in den jeweiligen Monaten in der Haseldorfer und Wedeler Marsch vorkommt und gut zu beobachten ist.
Es müssen nicht immer bedrohte Vogelarten sein, die auf der Roten Liste stehen.

Vogel der Region im September 2017: Die Nilgans – heilige Vögel oder eine Bedrohung für heimischen Arten?

Der Name Nilgans (Alopochen aegyptiacus) deutet darauf hin, dass die Art ihre Hauptverbreitung in Afrika hat,
wo sie ein großes Areal auf dem Kontinent besiedelt und an nahrungsreichen subtropischen Binnenseen und Flüssen lebt.

Nilgänse waren im thebanischen Gebiet als heilige Vögel dem Schöpfergott Amun gewidmet. Sie waren nicht nur den alten Ägyptern,
sondern auch Griechen und Römern als Parkvögel bekannt. Nach Westeuropa gelangten sie als Ziergeflügel im 17. und 18. Jahrhundert,
wo sie anfangs in Parks, Menagerien und seit Anbeginn in den Zoos gehalten und gezüchtet wurden.
Verwilderte Gefangenschaftsflüchtlinge begründeten im Laufe der Zeit an einigen Stellen in Europa regionale Nilganspopulationen.
So brüten Nilgänse in den Niederlanden seit Ende der 1960er Jahre.1986 erfolgte der erste Brutnachweis für den deutschen Teil des Niederrheins.
Bis 1995 war die niederrheinische Brutpopulation bereits auf 120-150 Brutpaare angewachsen. Von hier aus erfolgte seit Ende der 80er Jahre die weitere Besiedlung gen Osten,
wobei sie auch in städtischen Parks, an Badeseen und anderen von Menschen häufig frequentierten Orten vorkommt.
Inzwischen hat die Nilgans als Brutvogel alle deutschen Bundesländer erobert. Sie gehört damit zu einer der erfolgreichsten Neozoen
(Arten, die sich seit 1492 - der Entdeckung Amerikas - ohne oder mit menschlicher Einflussnahme in einem Gebiet etabliert haben, in dem sie zuvor nicht heimisch waren.).

Die Nilgans hat eine Größe von 65-75 cm. Der Ruf der Nilgans ist ein lautes gackern. Männchen und Weibchen der Nilgans sehen im Gefieder gleich aus.
Das Männchen ist größer und schwerer. Die Merkmale der Nilgans sind weiße Flügelflecke, schwarze Handschwingen, ungleichmäßiger rostbrauner Halsring und lange rosa Beine.
Besonders markant ist der dunkle Augenfleck, welcher der Nilgans ein leicht wütendes Aussehen verleiht.

Bei der Nistplatzwahl zeigen Nilgänse in Westeuropa wie in ihrer afrikanischen Heimat eine große Flexibilität.
Sie brüten nicht nur am Boden, in einem mit Dunen ausgepolsterten Nest, sondern auch in dichten Gebüschen, in Baumhöhlen, auf Gebäuden
oder auf größeren Nestern und Greifvogelhorsten in einer Höhe bis zu 20m, wo die flüggen Jungen dann aus dem Nest springen.

Nilgänse haben eine Jahresbrut in der Zeit von Mai bis Juli. Sie legt meistens 5-8 Eier. Das Weibchen brütet alleine.
Das Männchen bewacht während der Brutzeit das Nest und greift die Eindringlinge an. Die jungen Küken gehören zu den Nestflüchtern und werden sofort zum Wasser geführt.
Feinde sind u.a. Hechte, Möwen, Füchse, Marderhunde, Greifvögel und der Mensch.

Die Sterblichkeitsrate unter den Jungvögeln ist hoch. In Afrika sterben 40-50% der Jungvögel in den ersten zwei Monaten, am Niederrhein wurde eine Sterblichkeitsrate von 50-60% in den ersten 6 Wochen ermittelt. Hierfür werden Witterungsbedingungen und menschliche Störungen und Verfolgung verantwortlich gemacht.

Beobachten kann man die Nilgans am besten an Gewässern, wie zum Beispiel auf der Kleientnahmestelle auf dem Hetlinger Schanzsand
in der Haseldorfer Marsch und auf Wiesen und abgeernteten Feldern, wo sie Gräser, Sämereien, Würmer, kleine Krebstiere, Schnecken und Wasserpflanzen fressen.
Ob die Nilgans allerdings wirklich, wie manche behaupten, große Schäden für die Landwirtschaft verursacht, muss noch geprüft werden.
Doch ihre Auswirkung auf die Landwirtschaft ist nur eines von vielen Vorurteilen gegenüber der Nilgans. Man wirft ihr vor, unsere Parks zu verkoten,
andere Wasservögel zu vertreiben und durch aggressives Verhalten zu bedrohen. All das stimmt nur zum Teil: Nilgänse belasten zwar Parks und Seen
wirklich mit ihren Ausscheidungen, dasselbe gilt aber auch für die einheimischen Graugänse. Das aggressive Revierverhalten der Nilgans ist nachgewiesen:
Je nach Beschaffenheit des Lebensraums duldet sie keine anderen Enten oder Gänse in ihrer Nähe.
Anders als in ihrer afrikanischen Heimat sind ihr in Europa die meisten anderen Wasservögel unterlegen.
Inwieweit die Nilgans einheimische Arten bedroht, muss allerdings noch endgültig geprüft werden, bevor weitere Maßnahmen ergriffen werden.

 

 

 

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