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Neuntöter oder Negenmörder

                        

     Vogel der Region im August 2018:

Neuntöter oder Negenmörder – Singvogelart mit Vorratshaltung

 

 

Foto: Tom Dove

Der Neuntöter (Lanius collurio) ist der hierzulande am stärksten verbreitete Vertreter der Familie der Würger (Laniidae),
von der es weltweit 64 Arten gibt. Hierzu gehören auch der seit 1987 in Deutschland ausgestorbene Schwarzstirnwürger,
der extrem seltene Rotkopfwürger und der noch sporadisch anzutreffende Raubwürger.

Seinen brutal klingenden Namen erhielt der Neuntöter aufgrund seines unter Singvögeln ungewöhnlichen Beuteverhaltens.
Als Nahrungsreserve beziehungsweise zur Bearbeitung spießt er mit Vorliebe Insekten (Käfer, Heuschrecken, Fluginsekten),
Mäuse, aber auch einmal junge Eidechsen oder Blindschleichen oder selten Jungvögel auf Dornen oder Stacheln
von Sträuchern wie beispielsweise Schwarzdorn oder Heckenrosen sowie auf Stacheldraht
von Weidezäunen in der Nähe vom Brutplatz auf. Die Beute wird auch aufgespießt, um sie besser zu zerkleinern,
damit vor dem Verfüttern an die Jungvögel der harte Chitinpanzer wenigstens teilweise entfernt werden kann.
Bevor sie neue Nahrung aufnehmen, würgen sie erstmal die alten Chitinteile von Käfern in Form eines Gewölles aus.
Daher stammt auch der Name Würger.

Der Volksglaube gab dem Neuntöter oder „Negenmörder“ auf Plattdeutsch seinen Namen. Er würde erst neun Beutetiere töten,
bevor er eines verzehre. Entsprechend klingen auch viele Namen im Volksmund: Dornwürger, Dorntrampler oder Dorngreuel.
Auch unter dem Namen Rotrückenwürger ist er bekannt.

Vor allem in Regionen mit sehr wechselhafter Witterung im Frühsommer wie beispielsweise auf den britischen Inseln
ist dieses Verhalten der Vorratshaltung des Neuntöters besonders ausgeprägt. Denn bei länger andauernden Regenperioden
hat er große Probleme, genügend Beutetiere für die Aufzucht seiner Jungen zu jagen.
Sein Jagdverhalten ist recht auffällig dadurch, dass er von einer erhöhten Sitzwarte aus ähnlich
einem Greifvogel blitzschnell zu Boden stürzt, um sein Beutetier mit dem leicht hakenförmig gebogenen Schnabel zu packen.
Dazu besitzen sie einen falkenähnlichen Oberschnabel, der wie bei Greifvögeln mit einem so genannten Falkenzahn versehen ist.
Vorratsplätze werden meist vom Männchen, seltener vom Weibchen bestückt, es bedienen sich aber beide daran.
Verwesende Beutestücke werden regelmäßig entfernt.

Das prächtig gefärbte Männchen des Neuntöters ist vor allem durch seinen auffälligen schwarzen Augenstreif
und seinen grauen Oberkopf und Nacken, der sich deutlich von den rostroten Rücken- und Flügelpartien abhebt, leicht erkennbar.
Weibchen und Junge sind demgegenüber eher unscheinbar. Beide besitzen einen braunen Augenstreif, einen rostroten Oberkopf und Rücken.
Unterseite und Flanken sind hell mit dunkelbraunen Bogenlinien.

Erst gegen Ende April oder Anfang Mai kehrt der Neuntöter in seine europäischen Brutgebiete zurück.
Das liegt daran, dass er als Überwinterer in Südafrika zu den Singvögeln mit dem längsten Zugweg gehört.
Je nach den Witterungsverhältnissen, die während seines Zuges herrschen, benötigt er für die einfache Strecke zwischen zwei und drei Monaten.

Sein Nest baut der Neuntöter gewöhnlich einen bis zwei Meter über dem Boden in dichtem Dornengebüsch, Sträuchern oder kleinen Bäumen.
Anfang Mai bis Ende Juni legt das Weibchen fünf bis sechs Eier, die etwa 2 Wochen bebrütet werden.
Wenn die kleinen Neuntöter nach ca. 14 Tagen das Nest verlassen, werden sie noch von beiden Eltern bis zu drei Wochen mit Nahrung versorgt.
Nach Beendigung des Brutgeschäfts verlässt der Neuntöter meist schon im August sein Brutgebiet,
um das Winterhalbjahr im tropischen Afrika zu verbringen. 1–2 Wochen später folgen die Jungvögel.
Die ersten Neuntöter erreichen Nordostafrika bereits im August, Südafrika im September. Den Tag zur Nahrungsaufnahme nutzend,
zieht der Neuntöter vermutlich ausschließlich nachts. In der Mittagszeit wird geruht.

Der Neuntöter ist zum Symbol für Heckenbrüter schlechthin geworden. Seine Wahl zum Vogel des Jahres 1985
löste in Deutschland eine Welle von Aktivitäten zum Schutz wie auch zur Neuanlage von Hecken aus.

Nach einem bundesweiten Rückgang in den 70er und 80er Jahren, haben sich die Bestände des Neuntöters seit einigen Jahren vielerorts stabilisiert.
Dank dieser positiven Entwicklung konnte er 2002 aus der Roten Liste gefährdeter Brutvogelarten entlassen werden.

Lebensraumveränderungen und der Verlust an geeigneten Brutmöglichkeiten durch eine sukzessive Ausräumung der Landschaft,
aber auch durch planmäßige Flurbereinigungen, sind auch heute noch zu beklagen. Die Beseitigung von Hecken und Gebüsch,
der Umbruch von Grünland und Heideflächen, die weiter fortschreitende Zersiedelung der Landschaft,
und ein noch immer ungebremster Biozid- und Düngemitteleinsatz reduzieren weiterhin die Zahl geeigneter Brutplätze und das Nahrungsangebot.

Um den Bestand langfristig zu stabilisieren sind folgende Schutzmaßnahmen bedeutsam:

  • Erhalt und Entwicklung reich strukturierter Heckenlandschaften
  • Verringerung des Einsatzes von Insektiziden, Herbiziden und Düngemitteln in der Kulturlandschaft
  • Förderung von extensiv genutztem Grünland, Streuobstgebieten, Brachen, natürlichen Waldsäumen und Trockenstandorten
Foto auf der Startseite: Martin Semisch

Leitung des Hauses

Edelgard Heim

Telefon 04129. 955 49 12

edelgard.heim1@llur.landsh.de

 


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Tel. 04129-95549-11

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