Schachblumen
Wie die Heideblüte in Niedersachsen und die Lavendelblüte der Provence hat auch die Haseldorfer Marsch ihre Blühsaison, zu der Kenner von weit her anreisen. Die Attraktion während dreier Frühjahrswochen sind große glockenförmige Blüten mit prächtigem purpurfarbenem Schachbrettmuster. Als auffällige bunte Tupfer stehen sie im April und Mai im sich frischgrün entfaltenden Grasland. Je nach Verlauf der Witterung findet deswegen am letzten Sonntag im April das große Schachblumenfest in Hetlingen statt.
Schachblumen wachsen auf nassen Wiesen, lieben zeitweilige Überschwemmungen und besiedeln das Marschgrünland nur dort, wo der Tideeinfluss für wechselnde Wasserstände sorgt. Zuweilen findet man sie in Gebüschen, und vor allem in der Seestermüher Marsch besiedelte sie früher auch lückige Reetbestände.
Seltene Schönheit
Noch vor wenigen Jahrzehnten wuchsen Schachblumen in Massen auf den Außendeichwiesen der Elbe unterhalb Hamburgs. Körbeweise wurden die Blüten gesammelt und auf Wochenmärkten verkauft. Doch Änderungen in der Bewirtschaftung, großräumige Eindeichungen und die Bebauung weiter Bereiche haben aus der einst häufigen Schönheit ein seltenes Kleinod werden lassen. Heute ist die Schachblume stark bedroht, wie auch ihr Lebensraum, die Nasswiesen und Überschwemmungsgebiete.
Weit versprengt liegen die letzten Vorkommen in Deutschland. Größere Vorkommen gibt es nur noch in Oberfranken und an der Unterelbe. In den Elbwiesen bei Hetlingen kommt die Schachblume auch heute noch vor. Vor allem im Grünland vor dem alten Elbdeich kann man beeindruckende Schachblumenwiesen bestaunen.
Schachblumen stehen unter Schutz und dürfen nicht der Natur entnommen werden. Im Garten auf sie verzichten muss man deswegen nicht: Gartenbaulich vermehrte Pflanzen sind im Fachhandel erhältlich.
Schutz der Schachblume
Einige Grünlandflächen mit besonders reichhaltigen Schachblumenbeständen werden gemäß Pflegeverträgen extensiv bewirtschaftet oder sind für Naturschutzzwecke angekauft worden, um die Schachblumen dauerhaft zu erhalten. Die Pflege übernehmen ortsansässige Landwirte, die für ihre Leistungen Ausgleichszahlungen erhalten. Alljährlich wird die Größe der Schachblumenbestände ermittelt, um Veränderungen frühzeitig festzustellen und die Bewirtschaftung gegebenenfalls anpassen zu können.
Selbstverständlich kommen die Schutzmaßnahmen nicht nur der Schachblume zu Gute. Sie ist nur das "Flaggschiff" für eine ganze Armada seltener Tier- und Pflanzenarten, die auf das nasse Grünland als Lebensraum angewiesen sind - allesamt typisch für die holsteinische Elbmarsch und ihre jahrhundertealte Bewirtschaftungsgeschichte.
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